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Den Ernst der Lage erkennen 10.06.2010 – WORMS

LESUNG Claudia Hempel über Rechtsextremismus

(uls). Dass die Lesung Claudia Hempels aus ihrem Buch „Wenn Kinder rechtsextrem werden: Mütter erzählen“ in Zusammenhang mit dem Synagogenbrand stehe, wies Roland Schäfer vom Verein „Rheinhessen gegen Rechts“, der die Lesung in der Westendschule mit der Elterninitiative gegen Rechts und dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Rheinland-Pfalz organisiert hatte, zurück. Die Veranstaltung sei schon im Februar geplant worden. „Im Übrigen wissen wir ja gar nicht, ob der Anschlag auf die Synagoge von Rechtsextremen ausgeübt wurde“. Schäfer wandte sich damit gegen eine Verlautbarung O. S. (Autonome Antifa Worms), der diesen Informationsabend als „brandgefährlich“ einstufte, weil er jugendlichen Rechtsradikalismus als Außenseiterproblem hochstilisiere. In Wirklichkeit würden in vielen Familien ganz unverhohlen Vorurteile gegen Ausländer gepflegt bis hin zu der öffentlich in manchen Medien propagierten Meinung: „Die Griechen sind faul.“

Wie verstörend dieser Einwurf auch war, Claudia Hempels Berichte über drei Jugendliche, die in die rechtsextreme Szene abgeglitten waren, zeigten, auf welche unterschiedliche Weise das Thema relevant ist. Während Sonja über ihren Freundeskreis mit den Neonazis in Berührung kam, aber dank der Beharrlichkeit ihrer Mutter wieder zurückfand, musste Marcos Mutter entdecken, dass ihr Sohn abdriftete in Gewalttätigkeit. Sophia schließlich, einst behütete Waldorfschülerin, lernte während des Studiums einen rechtsradikalen Intellektuellen, kennen, der nie in der Öffentlichkeit, aber um so mehr im Geheimen agierte und sie „umkrempelte“, bis sie den Kontakt zu den Eltern abbrach.

Bei der Diskussion standen auch Angelika Stock, Projektleiterin beim Landesjugendamt für den Bereich Extremismus, und Britt Löwe vom Landesamt für Jugend und Soziales für Fragen zur Verfügung. Sie bestätigten vieles von dem, was die Autorin berichtet hatte, etwa, dass es vor allem die Mütter sind, die den Ernst der Lage erkennen und den Kampf um ihre Kinder aufnehmen. Die Sensibilisierung der Institutionen sei ein wichtiger Aspekt im Kampf gegen Rechts, die professionelle Unterstützung der Eltern ein weiterer.